Es gestaltet sich schwierig, Aspekte des Tauschens zu erläutern, ohne gleich in eine ökonomisierte Sprache zu verfallen, in der dann von "Geschäften", "Aufwand" und "Ertrag" die Rede ist. Natürlich hängen Tausch und Ökonomie eng zusammen und natürlich lassen sich ökonomische Sachverhalte letztlich als kompliziertere Tauschgefüge betrachten. Nicht jeder Tausch verweist jedoch auf einen ökonomischen, also am Mehrwert orientierten, Hintergrund. (Vielleicht ebenfalls aus diesem Grund verwendet Hochschild in ihrem Buch "Das verkaufte Herz" den Ausdruck "Verbeugung mit dem Herzen" statt einer ökonomischen Geschäftsmetapher (1980/1990, S. 89), wobei sie im gleichen Kapitel dann doch wieder von "Schuldscheinen" (S. 90), "Entschädigung" und "Bezahlung" (S. 92) spricht.Folglich werden beide Aspekte hier getrennt behandelt, auch wenn sie meist ineinander übergehen.)
"An der Auricher Börse wird die Zukunft gehandelt" schreibt die Wochenzeitung "DIE ZEIT" in einem Artikel über von Lehrern durchgeführte Projekte, die Schule und Forschung zu verbinden suchen und "die mit etwas Glück das Leben ihrer Klienten verändern" (Sentker 2002, S. 1). Lehrer übernehmen hier die Rolle der Makler, die über die Zukunft ihrer Klienten verhandeln, und zwar sowohl unter einander als auch mit Vertretern verschiedener Forschungseinrichtungen, wobei sie dabei zwischen den Ergebnissen der Forschung und den Bedürfnissen der Lerner in beiden Richtungen zu vermitteln suchen. Was genau hier als Zukunft gehandelt wird, ist nicht ohne Weiteres ersichtlich, klar ist aber: Es geht ums Geschäft. "Der Lehrer, das ist doch nun sein Hauptgeschäft, die Noten zu machen, dafür ist er ja angestellt, dafür wird er bezahlt und das ist das Ergebnis allen Unterrichtens" (L2, Z. 810-812). (Dieses Bild trifft in Teilen für alle Lernbereiche zu, in der hier dargestellten Ausführlichkeit allerdings vor allem auf Lernsituationen, die letztlich auf eine Bewertung bzw. Benotung der Lernenden hinauslaufen. Der Einfachheit halber beziehe ich mich bei der Darstellung dieses Konzeptes auf schulische Lernsituationen.)
Der Lehrende betreibt seinen Unterricht als Geschäft. Er verkauft sich und seine Inhalte mehr oder weniger gut, er bringt sie an den Mann (oder an die Frau). Zeitweilig mag es notwendig sein, für sein Fach zu werben bzw. die Werbetrommel zu rühren oder schlichtweg die Ware anders oder besser zu verpacken, damit das Gegenüber [weiterlesen]