An dieser Stelle ist es notwendig, noch einmal zu der Metaphorik des handwerklichen Arbeitens zurückzukehren. In der Darstellung dieses Konzeptes am Anfang des letzten Kapitels fehlt eine Metapher, die hier gesondert behandelt werden soll, weil sie auf ein eigenständiges Konzept verweist. Gemeint ist die Metapher des Bauens: Lernende bauen Wissen auf und müssen dabei neues Wissen auf vorhandenes aufsetzen. Das Gelernte wird gefestigt und weiter ausgebaut. Wenn Lernen Bauen ist, dann ist gilt für das Wissen das Konzept WISSEN IST EIN HAUS: In der Grundschule soll der Grundstein gelegt werden für eine weitere erfolgreiche Schullaufbahn, solide allgemeine Kenntnisse können tragfähiges Fundament sein für die Einarbeitung in spezielle Fachgebiete. Schlüsselbegriffe können den Zugang zu schwierigen Themen erleichtern.
Eine Metaphernanalyse des Konzeptes WISSEN IST EIN HAUS lässt sich in Ansätzen bei Rigotti (1995) finden. Ihrer Ansicht nach vereinigt die Haus-Metapher sowohl statisch-funktionale als auch dynamisch-geschichtliche Aspekte, die bei einer Untersuchung dieser Metaphorik voneinander unterschieden werden müssen.
In einem Haus sind alle Komponenten Teil eines größeren Ganzen, wobei die einzelnen Bestandteile sorgfältig auf einander abgestimmt werden müssen, soll das Haus stabil sein. (Es geht hier um das Bauen des Hauses, die Einrichtung ist hier zunächst nicht gemeint.) Das Haus besitzt eine bestimmte Struktur, nach der es aufgebaut ist, dazu aber später mehr. Wissen als ein Haus zu betrachten bedeutet unter dem Gesichtspunkt des statisch-funktionalen Aspekts zu betonen, dass die "Einzelteile" aus denen Wissen besteht, in einen größeren Zusammenhang stehen müssen, soll aus dem Gelernten etwas Sinnvolles entstehen.
Menschen, die als Experten für etwas gelten, sind in ihrem Fachgebiet zu Hause. Sie bewegen sich frei in ihrem Thema und sind mit den Einzelheiten vertraut. Das eigene Wissen dient als Ausgangsbasis, von der aus es sich aber auch in fremde Gebiete wagen oder in neue Welten aufbrechen lässt. Diese Metaphern berühren den funktionalen Aspekt eines Gebäudes. Ein Haus ist in der Regel eine Immobilie, also unbeweglich und fest mit dem Untergrund verankert. Es ist der Ort, an dem man sich niederlassen kann: "... the meaning of the metaphor of the house as a centre where to take root" (Rigotti 1995, 423) und zu dem man immer wieder zurückkehren kann, der Sicherheit verspricht. ("Was Ihr einmal gelernt habt, kann Euch keiner mehr wegnehmen." Schmitt (2005) kommt in seiner Analyse ebenfalls zu der Vorstellung, Wissen ist etwas Sicherheit Versprechendes, entwickelt dies aber aus dem Konzept WISSEN IST EIN WERTVOLLES GUT.)
Neben diesem statisch-funktionalen Aspekt besitzt die Haus-Metapher auch [weiterlesen]