• Die sinnliche Wahrnehmung gehört zu den elementarsten Erfahrungen des Menschen, gerade das Sehen spielt in unserem Kulturkreis eine große Rolle. So ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Erfahrungen auch metaphorisch in der Sprache generell wie auch speziell im Kontext des Lernens wiederfinden lassen.

    Es gilt, Zusammenhänge zu sehen und zu erkennen, Einblick in Themenbereiche zu bekommen und sie zu durchschauen, Erkenntnis gewinnen oder einfach generell mehr durchzublicken. Um von einem Anderen zu lernen, kann man ihm über die Schulter schauen oder sich etwas bei oder von ihm abgucken. LERNEN IST demnach SEHEN:

    "Schüler wollen auch sehen, wo ihre Grenzen sind" (L1, Z. 149-150).
    "... aber sie haben dann doch gesehen, dass wir das massiv eingefordert haben" (L1, Z. 295-296).
    "Ja und das zeigt, dass es vielleicht in manchen Fächern auch schwer ist, Schüler wirklich zu sehen, wie sie denken, wie sie überlegen, wie sie nachdenken" (L1, Z. 396-398).
    "... das hat mir also großartige Perspektiven eröffnet" (L2, Z. 741-742).

    Die Metaphorik des Sehens lässt sich in zwei weitere Dichotomien unterteilen: hell/dunkel und klar/trübe. Im ersten Fall steht Helligkeit und Licht für das Gelingen von Lernen und Verständnis: Es trifft die Erkenntnis wie eine Erleuchtung, eine Sache kann von möglichst vielen Seiten beleuchtet werden, wer schnell lernt, gilt als helles Köpfchen. Entsprechend steht Dunkelheit für mangelnde Erkenntnis: Jemand tappt im Dunkeln.

    Im zweiten Fall gibt es Klarheit als Zeichen des Gelingens auf der einen Seite und Unklarheit, Getrübtsein als dessen Gegenteil: "Das ist ganz klar der Zusammenhang" (L2, Z. 739-740) und an anderer Stelle: "Das ist mir am Ende meines Studiums klar geworden" (L2, Z. 848).

    Oft sind die Metaphern der Klarheit im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Lehrens zu finden: Der Lehrende erklärt Hintergründe, unterrichtet in einer klar strukturierten Form, bietet Klärungshilfe an. Ein guter Lehrer ist, wer in der Schule den "Planungsprozess transparent macht" (L1, Z. 311): "Klarheit der Planung meint Verlässlichkeit. Für Schüler ganz wichtig" (L1, Z. 315-316).

    Die Metaphorik des Sehens bleibt jedoch nicht auf die Aufgabe des eigentlichen Unterrichtens beschränkt, sondern umfasst auch die soziale Situation, in der sich Lehrende und Lernende befinden:  [weiterlesen]

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