In eine völlig andere Richtung geht die folgende Metaphorik, nach der es Aufgabe des Lehrenden ist, bei seinen Schülern Wissen zu säen, um ihnen letztlich etwas ins Gehirn zu pflanzen. Ähnlich eines Gärtners schafft er z. B. ein entspanntes Klima, in dem Lernen gedeihen kann oder bereitet den "Nährboden für Spaß an Wissen und Lust am Lernen" (Miketta-Haak 2004, S. 13). Nicht nur der Lehrende, sondern alle an der Erziehung Beteiligten sollen möglichst – ähnlich der Atmosphäre in einem Treibhaus - eine Bildungsatmosphäre schaffen, in der "Wissensdurst, Konzentrationsfähigkeit und Erfolg gedeihen" können (ebd.). Dazu gehört, vielleicht schon im Kindergarten den Boden zu bereiten für künftige Entwicklungen, so dass auch spätere Inhalte auf fruchtbaren Boden fallen können, damit die Anstrengungen des Lehrers mit der Zeit Früchte tragen. Gerade bei auf den ersten Blick nicht als so spannend erscheinenden Inhalten ist das aufkeimende Interesse ein Pflänzchen, das gehegt und gepflegt werden muss, das aber manchmal auch seltsame Blüten treiben kann. Unter guter Pflege wächst Wissen und gedeiht. Das Wort Seminar verweist ebenfalls auf diesen Zusammenhang, aus dem Lateinischen abgeleitet bedeutet es so viel wie "Pflanzstätte". (Nicht immer jedoch erhält der Lehrende das, was er sich von seinen Bemühungen erhofft: "ich hab das den Schülern immer versucht klar zu machen, äh wobei ich also immer entgeisterte Blicke ernte (L2, Z. 805-807). "Ernten" verweist auf die mit der Metaphorik des Gärtners verwandte Metaphorik des Bauern, der ein Feld bestellt.)
All diesen Metaphern liegt das Konzept DER LEHRER IST EIN GÄRTNER zu Grunde.
Dewey (1916/2000) fasst die Aufgaben des Gärtners wie folgt zusammen: "Erziehung ist somit ein Vorgang der Pflege, der Nahrungszufuhr, der Aufzucht. Alle diese Worte bringen zum Ausdruck, dass die Erziehung den Bedingungen des Wachstums Aufmerksamkeit schenkt" (Dewey 1916/2000, S. 26, Hervorhebung v. Verf.). Die Metaphorik des Gärtners ist somit aufs Engste verbunden mit dem metaphorischen Konzept LERNEN IST WACHSEN. Die oben genannten Metaphern legen nahe, dass es das Wissen, der Wissensdurst, das Lernen ist, was unter der pflegenden Hand des Gärtners gedeihen, also wachsen, soll. Der Lehrer sät Wissen bzw. pflanzt es in die Köpfe, was letztlich wieder bedeutet, dass das zu lernende Wissen dem Lernenden abermals (wie schon bei der Behälter- und der Essensmetaphorik) von außen zugeführt wird, wobei es dann nicht unbedingt als sicher anzusehen ist, dass dieses Wissen auch Wurzeln schlägt. [weiterlesen]